23.12.2022

Psychoonkologische Arbeit mit Familien

23.12.2022

Stuttgart, Baden-Württemberg: Psychoonkologische Arbeit mit Familien

 

Wer bringt das Kind in die Schule, wenn die Mutter an Krebs erkrankt ist? Wer begleitet den Großvater zum Arzt, der meint, dass seine Krebsdiagnose nur ein Irrtum sein kann? Wer unterstützt die Betroffenen bei ständigem Unwohlsein und geht einkaufen? Und: Wer kann wem was sagen? Und wie?

Psychologe Pau Edo-Ferrando, Leiter und Berater der Stuttgarter Krebsberatungsstelle, beschreibt die Situation so: „Erhält eine Person die Diagnose Krebs, beeinflusst das nicht nur den Betroffenen alleine. Auch das direkte Umfeld, insbesondere die Familie sind betroffen. Oftmals sind vor allem auch Familienmitglieder erheblich belastet und übernehmen zudem meist zusätzliche Verantwortung, um den Betroffenen zu entlasten, man will ja helfen. Das geht oft mit einer großen Heraus- oder Überforderung für Familiensysteme einher. An dieser Stelle wollen wir Entlastung schaffen.“

 

Die baden-württembergischen Krebsberatungsstellen beraten und betreuen nicht nur Menschen, die an Krebs erkrankt sind, sondern auch deren Angehörige. Das Angebot umfasst außer der Hilfe bei sozialrechtlichen Fragen auch die psychoonkologische Arbeit. In jüngster Zeit konnten viele ambulante Krebsberatungsstellen ihre Teams verstärken, die betroffene Familienmitglieder in Einzel-, Gruppen- oder Paargesprächen beraten. Gemeinsam versuchen sie herauszufinden, welche Probleme sich im Zusammenleben mit dem Krebskranken ergeben und wie sie sich lösen lassen. Dabei kann es um Fragen zur Bewältigung alltäglicher Pflichten, über Störungen der Sexualität bis zu Ängsten vor Leiden, Sterben und Verlieren gehen. Werden Schwächen benannt, können auch Stärken erkannt werden. Unser Ziel ist, dass Krebspatienten und ihre Familien es schaffen, die Krankheit trotz aller Schwere zu etwas zu machen, mit dem sie leben können.

 

Die psychosozialen Beratungsangebote für das ganze Familiensystem stärken die Betroffenen und ihre Angehörigen in ihren Fähigkeiten zum Umgang mit der Ausnahmesituation. Der systemische Ansatz bezieht je nach Bedarf Ehepartner, Angehörige und Kinder aktiv mit ein, um beispielsweise Ängste und Nöte oder unterschwellige Konflikte zu erfassen und Bewältigungsstrategien sowie Ressourcen im Familiensystem zu etablieren.
„Hier ist individuelle Entlastung und Neuorientierung in einem geschützten Rahmen sehr wichtig. So können alle Familienmitglieder ihren Umgang mit der Situation finden.“, sagt Ulrika Gebhardt, Geschäftsführerin des Krebsverbandes Baden-Württemberg e.V. Auch finanziell hilft der Krebsverband betroffenen Familien, die durch die Krebserkrankung in Geldnot geraten sind. Im Zuge unserer Aktion „Weihnachtshärtefonds“ ermöglichen wir betroffenen Familien eine etwas höhere Zuwendung, um auch in diesen schweren Zeiten ein schönes Weihnachtsfest zu ermöglichen. Unterstützen auch Sie mit einer Spende, die zu 100% bei betroffenen Familien ankommt und sorgen Sie für strahlende Kinderaugen. Spende mit dem Hinweis „Weihnachtshärtefonds“.

 

Beratungen finden täglich (Mo-Fr) in den 19 psychosozialen Beratungsstellen in Baden-Württemberg statt. Terminvereinbarungen sind zwingend erforderlich. Auf der Homepage des Krebsverbandes finden Sie alle Kontaktdaten der Krebsberatungsstellen.

Weitere Informationen zur Arbeit des Krebsverbandes finden Betroffene, Angehörige und Interessierte unter www.krebsverband-bw.de oder auf Instagram: Krebsverband.bw

 

Die häufigsten Belastungen innerhalb von Familien sind:

· Verlustängste

· Störungen der Sexualität

· Kommunikationsprobleme durch Vermeidung und Verleugnung

· Unsicherheit im Verhalten Patient*in gegenüber

· Unsicherheit über Krankheitsverlauf

· nicht übereinstimmende Bedürfnisse und Erwartungen der Familienmitglieder

· Einschränkungen in der Freizeit

· Verhaltensänderungen der Patient*innen

· Konfrontation mit Leiden und Sterben

· Kommunikation mit Kindern und Jugendlichen

 

 

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Der Krebsverband Baden-Württemberg e.V

Der Krebsverband Baden-Württemberg gehört zur Deutschen Krebsgesellschaft und ist bereits seit 1973 aktiv. Seine Hauptaufgabe sieht der Verband in der Prävention sowie in der Information und Beratung von Betroffenen. Mithilfe der vom Krebsverband intensiv betriebenen Vernetzung aller an einer Krebsbehandlung beteiligten Akteure wie onkologische Tumorzentren, niedergelassene Onkologen, Psychologen, ambulanten Krebsberatungsstellen, Rehazentren oder auch Selbsthilfegruppen soll den Patienten eine optimale Versorgung ermöglicht werden.

 

Im Krebsverband Baden-Württemberg e.V. sind derzeit über 220 Selbsthilfegruppen nach Krebs vertreten. Die neunzehn Onkologischen Schwerpunktkrankenhäuser und Tumorzentren des Landes sind hier zu einer Arbeitsgemeinschaft (ATO) zusammengeschlossen.

Hauptaufgaben sind die Information und Beratung von Betroffenen, die Förderung der Selbsthilfe, Vernetzung onkologischer Einrichtungen, ambulanter Krebsberatungsstellen sowie Selbsthilfegruppen und Unterstützung von Projekten sowie patientenorientierter Forschung in Baden-Württemberg.

Seit 90 Jahren ist der Krebsverband Baden-Württemberg aktiv, er ist eine Landeskrebsgesellschaft der Deutschen Krebsgesellschaft.

 

Spenden sind steuerbegünstigt
Landesbank Baden-Württemberg IBAN: DE 97 6005 0101 0001 0139 00 – BIC: SOLADEST600

 

 

 

Gerhard Kreutzer

Quelle: Pressestelle Krebsverband Baden-Württemberg e.V.

Bilder/Grafik: Pressestelle Krebsverband Baden-Württemberg e.V.

23.12.2022