27.03.2022

ETHISCHE VERANTWORTUNG IN DER MODERNEN KREBSMEDIZIN

27.03.2022

 

Bonn (chw) – Die Krebsmedizin entwickelt sich stetig weiter und hat in den letzten Jahren enorme Fortschritt gemacht. Daraus ergeben sich neue Herausfor­derungen auch für die ethische Verantwortung der Behandelnden – beispiels­weise, wenn sie zwischen Risiken und Nutzen einer Therapie abwägen müssen oder bei der adäquaten Information und Aufklärung von Patient*innen. Relevant ist auch die Frage, ob und inwiefern ökonomische Faktoren eine Rolle bei Thera­pieentscheidungen spielen. Um dieses Themenspektrum wissenschaftlich zu untersuchen und um Lösungskonzepte zu entwickeln, hat die Deutsche Krebshilfe das Förderprogramm „Ethische Verantwortung in der modernen Krebsmedizin“ initiiert. Für insgesamt zehn Projekte stellt sie in den kommenden drei Jahren rund 3,8 Millionen Euro bereit.

 

„Die Krebsforschung und -medizin voranzubringen, sind zentrale Anliegen der Deutschen Krebshilfe. Einen großen Teil der uns anvertrauten Spendengelder investieren wir in innovative und zukunftsweisende Projekte und tragen somit zu stetigen Weiterentwicklungen in der Krebsbekämpfung bei. Bei allen Fortschritten sind uns bei der Versorgung krebskranker Menschen aber auch ethische Aspekte enorm wichtig“, so Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe. „Mit einem gezielten Förderschwerpunkt-Programm wollen wir daher einen Beitrag leisten, um der ethischen Verantwortung in der modernen Krebs­medizin gerecht zu werden. Die damit verbundenen Herausforderungen wollen wir mit unserem Förderprogramm angehen und wissenschaftlich untersuchen.“

 

„Ärztinnen und Ärzte haben immer auch eine ethische Verantwortung gegenüber ihren Patientinnen und Patienten,“ erklärt Professor Dr. Wolf-Karsten Hofmann, Direktor der Klinik für Hämatologie und Onkologie am Universitätsklinikum Mannheim und Vorstandsvorsitzender des Mannheim Cancer Center. Er sitzt dem Fachausschuss ‘Versorgung‘ der Deutschen Krebshilfe vor. „Dank enormer wis­senschaftlicher Fortschritte in den letzten Jahrzehnten können wir Betroffene immer besser behandeln. Allerdings stellen diese therapeutischen Erfolge uns Ärzte auch vor eine große Herausforderung. Während wir früher in der Regel keine Wahl hatten, welches Medikament oder welche Therapie wir einsetzen, müssen wir heute abwägen: In welcher Situation ist welche diagnostische oder therapeu­tische Maßnahme im Sinne des Patienten angeraten? Eine zunehmend wichtige Rolle spielt auch, wie wir dies mit dem Patienten besprechen und gemeinsam entscheiden.“

 

Die Ausschreibung des neuen Förderprogramms richtete sich in einem interdis­ziplinären Ansatz an Mediziner und Naturwissenschaftler sowie an Ethiker, Philo­sophen, Theologen und Soziologen. Die Deutsche Krebshilfe hat insgesamt 10 Projekte bewilligt und stellt dafür in den nächsten drei Jahren rund 3,8 Millionen Euro bereit.

 

Einige der geförderten Projekte adressieren die ethisch verantwortete Wissens­vermittlung. Im Fokus stehen beispielsweise Menschen mit niedrigem Bildungs­niveau und die Frage, ob sie über medizinische Aufklärungsbögen die Informatio­nen bekommen, die sie brauchen. Eine andere Arbeitsgruppe untersucht, ob be­sonders schwierige Themen wie Sterben und Tod mit Hilfe einer App einfacher angesprochen werden können. Ein weiterer Aspekt sind Therapieentscheidungen in Grenzfällen: Wie können zum Beispiel ältere Menschen eingebunden werden, bei denen die Therapieentscheidung häufig im Einzelfall und abweichend von gültigen medizinischen Leitlinien getroffen werden muss? Zwei Projekte befassen sich mit dem Einfluss ökonomischer Faktoren auf onkologische Therapieent­scheidungen – ein Tabu-Thema, zu dem bislang nur wenige Daten vorliegen

 

 

 Viele weitere Informationen finden Sie unter:

Deutsche Krebshilfe

 

 

Mit aller Kraft | Deutsche Krebshilfe

 

 

 

 

 

 

Gerhard Kreutzer

Quelle: Pressestelle Deutsche Krebshilfe

Bilder/Grafik: Pressestelle Deutsche Krebshilfe

27.03.2022