langsam verläuft, jedoch bisher ebenfalls nicht heilbar ist. Am Tübinger Uniklinikum hat eine klinische Phase II Studie begonnen, bei der Ärzte und Wissenschaftler erstmals testen, ob diese häufigste
Leukämie bei Erwachsenen mit einer Impfung geheilt werden kann.
Dazu wird für jeden Patienten ein individualisierter, auf die speziellen Merkmale seiner Erkrankung zugeschnittener Impfstoff zusammengestellt. Der Impfstoff besteht aus Tumor-Peptiden, die in der Arbeitsgruppe von Dr. Juliane Walz identifiziert und charakterisiert wurden.
Er wird nach der Standardbehandlung, die auch an einer anderen Klinik oder Praxis erfolgen kann, verabreicht. Durch die Impfung sollen die körpereigenen Abwehrzellen aktiviert, eine Immunantwort gegen die Tumorpeptide ausgelöst und dadurch die verbliebenen Leukämiezellen zerstört werden. Relevante Nebenwirkungen erwarten die Wissenschaftler keine, da der Impfstoff spezifisch für die Leukämiezellen „maßgeschneidert“ wird.“In der klinischen Studie wollen wir prüfen, ob es gelingen kann, das Immunsystem des Patienten so gezielt gegen die Leukämie zu aktivieren, dass die Erkrankung nicht zurückkehrt“, so Dr. med. Juliane Walz, wissenschaftliche Leiterin der Studie.
Wer kann an der Studie teilnehmen?
Die multizentrische Phase II Studie zur Patientenindividualisierten Peptidvakzinierung von CLL Patienten wird an der Universitätsklinik Tübingen, Abteilung Inner Medizin sowie am Standort Stuttgart im Katharinenhospital, im Diakonie-Klinikum, im Marienhospital und im Robert-BoschKrankenhaus durchgeführt.
Teilnehmen können erwachsene Patienten, bei denen eine CLL diagnostiziert wurde und die eine Indikation für eine Behandlung haben. Die konventionelle Chemotherapie kann in einer Praxis oder einer Klinik am Wohnort des Patienten ausgewählt und durchgeführt werden. Jedoch müssen die Patienten vor der Chemotherapie zu einer Untersuchung ihrer CLL-Zellen in eines der Studienzentren kommen. Dort wird ihnen Blut abgenommen und ihre Läukämiezellen werden auf ihre individuellen Antigene im Labor analysiert, um den individuellen Impfstoff zusammenzustellen. Danach erfolgt die gängige Erstlinientherapie nach Wahl des behandelnden Arztes, bei der die CLL_Zellen zurückgedrängt werden.
Acht bis 14 Wochen nach Abschluss der Chgemotherapie, wenn eine weitgehende Zurückdrängung der Leukämiezellen erreicht ist,erhalten die Studienteilnehmer eine Reihe von Imfungen mit dem auf ihre Krebszellen individuell angepassten Peptidcocktail. Dieser soll spezielle Abwehrzellen, die sogenannten T-Zellen des Patienten, aktivieren, damit diese die verbliebenen Leukämiezellen zerstören, und so das sonst regelhafte Wiederauftreten der Erkrankung verhindern. Die Peptidvakzinierung wird ein Jahr lang einmal monatlich ambulant durchgeführt.
Chronische Lymphatische Leukämie (CLL)
Die chronisch lymphatische Leukämie ist die häufigste Leukämie bei Erwachsenen. Es handelt sich um eine üblicherweise langsam verlaufende Erkrankung; sie entwickelt sich meist über viele Jahre und kann auch lange Zeit bestehen, ohne spürbare Symptome zu verursachen. Daher wird die Erkrankung oft zufällig entdeckt, zum Beispiel bei einer Blutuntersuchung. Die Erkrankungswahrscheinlichkeit steigt mit zunehmenden Alter; im Durchschnitt tritt die CLL mit 70 bis 72 Jahren auf. Infektanfälligkeit, Blutarmut und Gerinnungsstörungen können auftreten, die Behandlung orientiert sich am Gesundheitszustand des Patienten. Chemotherapie, Antikörper und bei jüngeren Patienten die Stammzelltransplantation sind Behandlungsoptionen.
Am Uniklinikum wird derzeit untersucht, ob sich die Erkrankung durch eine Impfung mit individuell auf den Patienten abgestimmten Peptiden heilen lässt.
Info:
Die neuen Therapieformen wurden in enger Zusammenarbeit von den Teams der Abteilung Innere Medizin II am Universitätsklinikum, der Abteilung immunnologie (Professoren Jung, Rammensee, Stevanovic) am Interfakultären Institut für Zellbiologie sowie der Klinischen Kooperationseinheit Translationale Immunnologie im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) am Partnerstandort Tübingen entwickelt, der Impfstoff und der Antikörper zusammen mit der Firma Synimune im GMP-Labor (GoodMaunufacturing Practice) des Uniklinikums hergestellt.
Gerhard Kreutzer
Quelle:
Universitätsklinikum Tübingen, Pressestelle
Klinikforum
27.02.2018