Die Erkenntnis ist nicht neu: Humane Papillomviren (HPV) sind sexuell übertragbar
und verursachen Krebs. Wirksamen Schutz vor einer HPV-Infektion gewährt eine
Impfung. Obwohl sie inzwischen gut angenommen wird, ist nach Ansicht von Ulrika
Gebhardt, Geschäftsführerin des Krebsverbandes Baden-Württemberg, noch Luft
nach oben. „Wir dürfen uns auf dieser positiven Entwicklung nicht ausruhen. Die
Impfquote muss weiter nach oben“, so Ulrika Gebhardt. Die Landeskrebsgesellschaft
mit Sitz in Stuttgart will den diesjährigen Welt-HPV-Tag, der alljährlich am 4. März
begangen wird, deshalb zum Anlass nehmen, um erneut auf die Krebsgefahr durch
HPV aufmerksam zu machen und um Menschen im Bundesland auf den hohen Nutzen
der Impfung sowie der angebotenen Vorsorgeuntersuchungen hinzuweisen.

Die Quote ist noch ausbaufähig: Von den Mädchen des Geburtsjahrgangs 2007 war im Jahr
2021 nur rund die Hälfte gegen eine Infektion mit HPV-Viren geimpft; bei den männlichen
Altersgenossen sogar nur ein Viertel. Dabei variiert die Quote in den Bundesländern stark: In
Baden-Württemberg haben nur 38,8 Prozent der Altersgenossinnen die Impfung erhalten.

„Die HPV-Impfung bietet einen effektiven Schutz“, sagt Ulrika Gebhardt, Geschäftsführerin
des Krebsverbandes Baden-Württemberg e.V. Wie wichtig der ist, zeigen die
Erkrankungsraten: Rund 8000 zumeist jüngere Menschen erkranken pro Jahr noch immer an
HPV-assoziierten Krebsarten. Vor diesem Hintergrund sei nicht nachvollziehbar, dass bisher
nicht mehr junge Menschen von der Impfung Gebrauch machten, so Ulrika Gebhardt.

Derzeit empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die HPV-Impfung für Kinder und
Jugendliche im Alter von neun bis 14 Jahren. Die Grundimmunisierung umfasst zwei
Impfungen, falls das Zeitfenster verpasst wurde, kann sie bis zum 17. Lebensjahr nachgeholt
werden, jedoch ist dann eine dritte Dosis erforderlich.

Idealerweise sollte die Gabe vor dem ersten sexuellen Kontakt erfolgen, da Kondome keinen
zuverlässigen Schutz vor HPV-Infektionen bieten. Hingegen belegen Studien eindeutig, dass
die Ansteckungsgefahr während des Sexualkontakts enorm hoch ist. So habe sich gezeigt,
dass rund 40 Prozent der jungen Frauen bereits innerhalb der ersten ein bis zwei Jahre nach
Beginn ihrer sexuellen Aktivität mit HPV infiziert wurden.

Was viele Eltern noch nicht wissen: Die Impf-Empfehlung der STIKO gilt seit 2018 auch für
Jungen, denn die Viren können Karzinome am Penis, im Analbereich sowie im Mund- und
Rachenraum verursachen. Dass viele Menschen darüber offenbar nicht Bescheid wissen,
zeigt sich auch daran, dass die Zahl der vollständig geimpften Mädchen immer noch höher
ist als die der Jungen

„Wir müssen durch gezielte Aufklärung die Impfquote unbedingt weiter erhöhen“, sagt Ulrika
Gebhardt. Krankenkassen und niedergelassene Mediziner müssten gleichermaßen in diese
Anstrengung eingebunden werden. Daher sind wir als Landeskrebsgesellschaft in diesem
Bereich sehr aktiv. Durch die zweijährige Kampagne #LetsTalkAboutHPV die wir zusammen
mit der DAK-Gesundheit durchgeführt haben, erreichten wir in den Jahren 2021 sowie 2022
mit Hilfe von Influencer*innen insgesamt über 700.000 Personen. Des Weiteren unterstützt
der Krebsverband ein Forschungsprojekt des Deutschen Krebsinformationsdienstes (DKFZ)
mit dem Ziel, die Rolle neuer Medien in der Verbreitung von Informationen zum Thema HPV-
Impfung sowie deren Auswirkungen auf die Teilnahme an der Impfung in Deutschland zu
untersuchen. Auf diese Weise kann im zweiten Schritt eine optimale Ausrichtung von
Maßnahmen (z.B. Impfaufklärungskampagne) zur Erhöhung der HPV-Impfrate – und
letztendlich zur Prävention HPV-bedingter Krebserkrankungen erfolgen.

Die Impfung gegen HPV ist jedoch nur eine Säule im Kampf gegen HPV-assoziierte
Krebsarten. Wichtig, vor allem für Frauen, die für eine Impfung bereits zu alt sind, ist nach
wie vor der so genannte Pap-Abstrich, der seit 1971 von den Krankenkassen als
Früherkennungsleistung bezahlt wird. Seither sind die Zahlen an Gebärmutterhalskrebs
erkrankter Frauen stets rückläufig gewesen.

Doch auch bei der Früherkennung hat die Pandemie ihre Spuren hinterlassen. Es ist
inzwischen belegt, dass deutschlandweit während dieser Zeit weniger Menschen solche
Untersuchungen in Anspruch genommen haben. Zwar seien die Teilnehmerraten im ersten
Quartal 2023 laut dem so genannten Früherkennungs-Monitor des Wissenschaftlichen
Instituts der AOK (WIdO) inzwischen wieder nahezu auf das Niveau von 2019 gestiegen. Bei
einigen Untersuchungen jedoch seien nachhaltig deutliche Rückgänge zu verzeichnen. Dazu
zähle unter anderem die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs, bei der der Wert noch
immer rund 7,1 Prozentpunkte unter dem des ersten Quartals 2019 lag.

„Diese Entwicklung macht uns Sorge“, sagt Ulrika Gebhardt, die befürchtet, dass sich der
Trend fortsetzen könnte. Wird er nicht gestoppt, dann besteht die Gefahr, dass die Zahl der
Erkrankungen wieder ansteigen könnte. „Das müssen wir unbedingt verhindern.“

Krebsverband Baden-Württemberg e.V.

Der Krebsverband Baden-Württemberg e. V. informiert rund um das Thema Krebs und führt
Präventionsprojekte durch, um das Risiko an Krebs zu erkranken, zu senken. Er setzt sich für
eine optimale onkologische Versorgung ein und begleitet Erkrankte mit ihren Angehörigen in
dieser herausfordernden Zeit.

Gerhard Kreutzer

Quelle: Pressestelle Krebsverband Baden-Württemberg e.V.

Bilder/Grafik: Pressestelle Krebsverband Baden-Württemberg e.V.

29.02.2024