11.08.2019

WENN DAS BLUT ZU WEISS WIRD

11.08.2019

versteckte Entzündungen sein.

 

Arthur Lütte (Name geändert) fühlt sich ausgelaugt, müde und schlapp – und sucht deswegen seinen Hausarzt auf. Der findet keinerlei Anzeichen und veranlasst eine Blutuntersuchung. Der Befund beim    71-jährigen Patienten: Sein Blut trägt beinahe doppelt so viele weiße Blutkörperchen des Normalwerts, in der Fachsprache Leukozytose genannt. Doch woher? Lütte ist nur Gelegenheitsraucher und nimmt auch sonst keine Medikamente.

 

Mit einer krankhaften Vermehrung der weißen Blutkörperchen ist nicht zu spaßen. Blicken wir dafür auf die wesentlichen drei Bestandteile des menschlichen Bluts: Während die roten Blutplättchen für den Sauerstofftransport zuständig sind, wehren die weißen Blutkörperchen Bakterien, Viren und Pilze ab. Thrombozyten schließlich sind für den Verschluss von Blutgefäßen zuständig, also bei Wunden.

AB ZUM SPEZIALISTEN
So landet Arthur Lütte beim Spezialisten – bei Dr. Markus Ritter, Chefarzt der Hämatologie am Klinikum Sindelfingen und Leiter des onkologischen Zentrums Sindelfingen-Böblingen. Für Ritter ist der Gang über den Hausarzt eine ganz typische Situation: „Meistens wird eine Leukozytose durch Zufall entdeckt.“ Je nach Erkrankung können die Ursachen mannigfaltig sein. „Meist handelt es sich um einen unentdeckten Infekt“, sagt Ritter. „Eine Leukozytose kann in seltenen Fällen aber auch auf andere Erkrankungen wie Rheuma oder auch bösartige Blutkrankheiten hinweisen.“ Auch ganz alltägliche Dinge wie Rauchen oder die Einnahme bestimmter Medikamente wie etwa Cortison können eine Vermehrung der weißen Blutkörperchen hervorrufen. Ritter: „Daher ist eine sehr sorgfältige Befragung des Patienten wichtig.“

 

 Am Mikroskop fällt Ritter schließlich eine bestimmte Gruppe von reifen weißen Blutkörperchen auf. Bei einer genaueren körperlichen Untersuchung entdeckt er einzelne vergrößerte Lymphknoten am Hals und in der Achselhöhle. Ritter hat einen Verdacht – und entscheidet, ein Differenzialblutbild erstellen zu lassen, um die exakte Untergruppe der vermehrten weißen Blutkörperchen zu bestimmen.

 

DER VERDACHT ERHÄRTET SICH
Nach drei Tagen liegt das Ergebnis vor, Arthur Lütte und Ritter treffen sich wieder. Ritters Verdacht bestätigt sich: Lütte leidet an einer sogenannten chronischen lymphatischen Leukämie – auch „Altersleukämie“ genannt. Der Patient ist besorgt, als er den Begriff Leukämie hört: Braucht er etwa eine Behandlung? Ritter beruhigt ihn: „Ihre Blutwerte und Lymphknoten sind ansonsten in Ordnung – und Sie haben keine weiteren Beschwerden“, sagt er. „Bluterkrankungen sind oft abstrakt, weil der Patient häufig nur wenig davon spürt.“

 

Arthur Lütte darf nach Hause und ist in drei Monaten wieder einbestellt zur Verlaufskontrolle. Er reiht sich damit ein in die rund 100 Menschen mit derselben Erkrankung, die vier Mal im Jahr zur Kontrolle zu Markus Ritter kommen. Eine Behandlung der Altersleukämie beginnt erst, wenn die Krankheit spürbare Einschränkungen mit sich bringt oder gewisse Risikofaktoren sichtbar werden. Dann allerdings
ständen heutzutage mehrere gut verträgliche und wirksame Medikamente zur Verfügung. „In der Regel ist die erste Behandlung eine Immuntherapie kombiniert mit einer gut verträglichen Chemotherapie, die ambulant verabreicht wird“, sagt Ritter. „Auch eine reine Tablettentherapie ist heute möglich.“

 

ALTERSLEUKÄMIE IST NUR EIN FALL VON VIELEN
So typisch der Fall von Arthur Lütte auch ist – Leukozytose kann auf zahlreiche andere körperliche Probleme hinweisen. So führen auch ein Hitzschlag oder ein Herzinfarkt zur Leukozytose.
Manchmal reicht eine akute körperliche Überlastung – etwa ein Marathon. Sehr selten bildet sich die Vermehrung aufgrund eines nicht entdeckten Krebses. Eine etwas häufigere Ursache kann eine akute Leukämie sein. Im Blut lassen sich dann auch mikroskopisch Leukämiezellen, also Blasten, sehen. „In einem solchen Fall muss sofort gehandelt werden, denn eine akute Leukämie ist unbehandelt innerhalb von Wochen lebensbedrohlich“, warnt Ritter  und ergänzt: „Unsere Abteilung ist die einzige im Klinikverbund, die sich auf diese Erkrankung spezialisiert hat.“

Jonathan Fasel

 

Viele weitere Informationen finden Sie unter: Logo des Klinikverbunds Südwest   https://www.klinikverbund-suedwest.de/

 

Der Klinikverbund Südwest

Der Klinikverbund Südwest ist ein Zusammenschluss der Krankenhäuser Böblingen, Calw, Herrenberg, Leonberg, Nagold und Sindelfingen. Gemeinsam mit dem verbundeigenen Therapiezentrum, den Medizinischen Gesundheitszentren und der Krankenhaus Service GmbH Schwarzwald, zählt er zu den größten und leistungsfähigsten kommunalen Gesundheitseinrichtungen in Süddeutschland. Träger sind die beiden Nachbarlandkreise Böblingen und Calw.

 

Der Klinikverbund Südwest hat einen Versorgungsauftrag für ca. 550.000 Menschen in seinem Kerneinzugsgebiet. Rund 5.000 Mitarbeiter aus über 70 Nationen und 125 Berufsgruppen bieten an den Standorten über die Grund- und Regelversorgung hinaus auch die Versorgung komplexer Erkrankungen in hochspezialisierten Zentren an. In allen unseren Krankenhäusern und Einrichtungen streben wir ein Höchstmaß an medizinischer Qualität und Service an. In der Akademie des Klinikverbundes und in den beiden akademischen Lehrkrankenhäusern der Universität Tübingen (Klinikum Sindelfingen-Böblingen und Kliniken Nagold) wird zudem eine fachlich ausgezeichnete theoretische und praktische Ausbildung angeboten. Gute Medizin setzt zudem viel Erfahrung und fachliche Expertise voraus. Über beides verfügen die Mitarbeiter der einzelnen Krankenhausstandorte im Klinikverbund Südwest. Miteinander bilden sie ein starkes, standortübergreifendes Netzwerk. Ziel dieser standortübergreifenden Zusammenarbeit ist der Anspruch, die Versorgung der Patienten so wohnortnah wie möglich innerhalb des Klinikverbundes sicherzustellen. Der Patient wendet sich an die für ihn am günstigsten gelegene Klinik und erhält dank der Schwerpunktbildung die notwendige, spezialisierte medizinische Betreuung – eine im wahrsten Sinne des Wortes entgegenkommende Patientenversorgung.

 

Gerhard Kreutzer

Quelle: Pressestelle Klinikverbund Südwest

Text: Jonathan Fasel

11.08.2019