05.04.2019

Metastasen verhindern – Heilungschancen erhöhen

05.04.2019

Blutgefäßen entdeckt

 

 

Heidelberg (ko) – Was Krebs so gefährlich macht, ist die Eigenschaft der Tumorzellen, sich im Körper auszubreiten und

Tochtergeschwülste zu bilden, sogenannte Metastasen. Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, wie sich solche Krebsabsiedelungen möglicherweise verhindern lassen: Der Schlüssel liegt in bestimmten Signalmolekülen der Blutgefäße. Werden diese gehemmt, könnte das Fortschreiten der Krankheit gestoppt und damit die Aussicht auf Heilung deutlich verbessert werden. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Forschungsprojekt mit rund 251.000 Euro.

 

Damit ein Tumor wachsen kann, benötigt er neue Blutgefäße, die ihn mit ausreichend Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Diese Blutgefäße spielen eine Schlüsselrolle bei der Ausbreitung der Krebszellen im Körper:Sie ermöglichen es den Zellen, in den Blutkreislauf zu gelangen und sich in entfernten Organen anzusiedeln. Dabei müssen die Tumorzuellen gleich mehrere Herausforderungen meistern: in das Blutgefäß eindringen, den Transport im Blu überleben und schließlich das Gefäß wieder verlassen. Dafür nutzen sie ähnliche Mechmismen wie Immunzellen auf der Jagt nach Krankheitserregern.

 

Tumore programmieren Gefäßwandzellen um

Wissenschaftler um Professor Dr. Andreas Fischer vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese Mechanismen zu entschlüsseln. Und sie sind bereitsfündig geworden: „In bisherigen Versuchen konnten wir zeigen, dass Tumorzellen immer dann verstärkt in dieBlutbahn übertreten, wenn bestimmte Signalmoleküle in Blutgefäßzellen aktiviert werden“, erläutert Projektleiter Professor Fischer. Solche Signalmoleküle steuern die Kommunikation der Blutgefäßzellen mit den Tumorzellen und werden als sogenannte „Notch-Signalkaskade“ bezeichnet.

 

In aktuellenForschungsarbeiten haben Professor Fischer und sein Team herausgefunden, wie es Krebszellen gelingt, auf Wanderschaft zu gehen: Zunächst sorgen sie in den Gefäßwandzellen dafür, dass wichtigeSignalmoleküle überaktiviert werden, um sich die Passage zu erleichtern. Dafür programmieren sie die Gefäßwandzellen um. Ist das Signalmolekül Notch 1 aktiviert, so hat dies witreichende Folgen: Die Gefäßwandzellen bilden verstärkt ein Molekül mit dem wissenschaftlichen Namen VCAM1, das es den Krebszellen ermöglicht, sich an die Gefäßwand zu heften. Darüber hinaus wird die Gefäßwand durchlässiger für den Übertritt der Tumorzellen in die Blutbahn. Und schließlich produzieren die Gefäßwandzellen Botenstoffe, die Immunzellen in den Tumor locken und mit ihren Botenstoffen das Krebsgeschehen sogar noch verstätken können – eine fatale Reaktionskette.

 

Neue Therapie mit Antikörpern?

Je stärker das Signalmolekül Notch1 in den Gefäßwänden des Tumors aktiviert wird, desto mehr Krebszellen gelangen ins Blut und desto mehr Metastasen können entstehen. Doch neue Erkenntnisse des Heidelberger Forschungsteams lassen hoffen: Werden das Signalmolekül Notch 1 und das AnheftungsmolekülVCAM1 im Labor mit sogenannten therapeutischen Antikörpern blockiert, siedeln sich deutlich weniger Krebszellen in anderen Organen an. „In weiteren Studien wollen wir die Wirkung dieser Antikörper genauer untersuchen, damit möglichst bald auch Patienten von diesem neuen Ansatz profitieren können“, so Professor Fischer.

 

„Insbesondere bei fortgeschrittenen Krankheitsverläufen steht die Krebsmedizin immer noch vor großen Herausforderungen. Für die Entwicklung neuer Therapieansätze ist es daher unabdingbar, die Entstehungsmechanismen von Krebserkrankungen zu verstehen“, betont Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe. „Deshalb ist es ein Kernanliegen der Deutschen Krebshilfe, solche innovativen Forschungsprojekte zu fördern.“

 

Hintergrundinformationen: Antikörper – Therapie

Die Behandlung mit Antikörpern ist eine bestimmte Form der Immuntherapie. Das Wirkprinzip: diekünstlich hergestellten Eiweißmoleküle können Krebszellen anhand ihrer individuellen Oberflächenmerkmale erkennen und heften sich an sie. Angelockte Immunzellen sollen dann die markiertenKrebszellen zerstören. Doch therapeutische Antikörper haben noch eine  weitere Funktion: Sie können auch die Bindungsstelle für andere Botenstoffe blockieren und so das Tumorwachstum stoppen oder die Kommunikation der Krebszellen stören – dadurch entstehen weniger Mtastasen.

 

Gerhard Kreutzer

Quelle: Pressestelle Deutsche Krebshilfe

26.02.2019